Die Et’hem-Bey-Moschee (Bey wird „Bäi“ ausgesprochen) ist eine kleine Moschee aus osmanischer Zeit am Skanderbeg-Platz, fertiggestellt um 1821 – und eines der wenigen historischen Gebäude im Zentrum Tiranas, die die kommunistische Zeit überstanden haben. Geh hinein und sieh dir die Fresken mit Bäumen, Wasserfällen und Brücken an, die in der islamischen Kunst ungewöhnlich sind.
| Kurz & knapp | |
|---|---|
| Wo | Sheshi Skënderbej 1, neben dem Uhrturm (Google Maps) |
| Preis | Kostenlos (Spenden willkommen) |
| Öffnungszeiten | Für Besucher zwischen den Gebetszeiten geöffnet, etwa 09:00–12:00 sowie vom frühen bis späten Nachmittag |
| Zeitbedarf | 15–20 Minuten |
Geschichte
Der Bau begann Ende des 18. Jahrhunderts unter Molla Bey und wurde von seinem Sohn Haxhi Et’hem Bey vollendet, der auch den benachbarten Uhrturm errichten ließ. Im Kommunismus wurde Albanien 1967 zum atheistischen Staat erklärt und die Moschee geschlossen, als Kulturdenkmal blieb sie aber vom Abriss verschont.
Molla Bey war der Urenkel von Sulejman Pascha Bargjini, dem Grundbesitzer, der als Gründer Tiranas im Jahr 1614 gilt – die Moschee ist also eng mit der Gründerfamilie der Stadt verbunden. Sie war auch kein Einzelbau, sondern das Herzstück eines kleinen religiösen Komplexes mit Medrese, Nebengebäuden und Friedhof am Rand des alten Basars von Tirana. Das meiste davon verschwand im 20. Jahrhundert mit der Umgestaltung des Skanderbeg-Platzes, und der Basar selbst wurde um 1959 abgerissen, um Platz für den Kulturpalast zu schaffen. Übrig blieben die Moschee und der Uhrturm als letzte Zeugen des alten Tirana am Platz.
Am 18. Januar 1991 zogen rund 10.000 Menschen mit Fahnen in die Moschee – und widersetzten sich damit den Behörden, obwohl Religion offiziell noch verboten war. Es war einer der Momente, die zeigten, dass das Regime die Kontrolle verlor.
Dass das Gebäude überdauert hat, liegt auch an seiner Bauweise: eine einzige zentrale Kuppel, dicke Mauern aus Kalkmörtel und ein schlankes, sich verjüngendes Minarett. Das Erdbeben der Stärke 6,4 im November 2019 überstand es weitgehend unbeschadet, und von 2019 bis April 2021 wurde es mit Unterstützung der türkischen Entwicklungsagentur TIKA umfassend restauriert, wobei Fresken und Steinarbeiten gereinigt und konserviert wurden. Im Januar 2022 wurde die Moschee bei einer Zeremonie im Beisein des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan offiziell wieder für Gebete geöffnet.
Worauf du achten solltest
Vorhalle und Gebetsraum sind mit Fresken bedeckt: Bäume, Blumen, Wasserfälle und Brücken in sanften Grün- und Rottönen. Die islamische Tradition vermeidet normalerweise Darstellungen von Lebewesen – auch deshalb sind diese Malereien so spannend.
Freitagsgebet (Dschuma)
Die Et’hem-Bey-Moschee ist nach wie vor eine aktive Moschee, und der Freitag ist ihr geschäftigster Tag. Das Dschuma, das wöchentliche Gemeinschaftsgebet, dauert in der Regel etwa von 12:00 bis 13:30 Uhr, mit Gebetsruf und Chutba (Predigt) gegen 13:00 Uhr. Die genaue Zeit verschiebt sich im Lauf des Jahres, weil sie sich nach dem örtlichen Mittagsgebet (Dhuhr) richtet – prüf also die heutigen Gebetszeiten für Tirana, bevor du losgehst.
Wie Albanian Night betont, kommen freitags immer noch Tausende Gläubige. Der kleine Gebetsraum ist schnell voll, und die Menge verteilt sich oft auf die Vorhalle und den Gehweg neben dem Uhrturm. Von außen ist das durchaus sehenswert, vor allem wenn man weiß, dass hier mehr als zwei Jahrzehnte lang nicht gebetet werden durfte. Während des Gebets werden keine Besucher eingelassen – komm freitags also vormittags vor 12 Uhr oder warte bis zum Nachmittag, um die Fresken zu sehen.
Tipps für deinen Besuch
- Kleide dich dezent. Schultern und Knie sollten bedeckt sein, und Frauen werden eventuell gebeten, ihr Haar zu bedecken (Tücher liegen meist bereit).
- Zieh am Eingang deine Schuhe aus.
- Meide die Gebetszeiten, besonders freitags etwa von 12:00 bis 13:30 Uhr. Es ist eine aktive Moschee.
Um zu spüren, wie sehr sich Tirana verändert hat, lauf 10 Minuten zur riesigen neuen Namazgah-Moschee, die 2024 eröffnet wurde.



